Frustrationstoleranz bei Kindern ist die Fähigkeit, Enttäuschung, Warten und Misserfolg auszuhalten, ohne dass das Verhalten kippt. Sie ist ein Teil der Selbstregulation, also der Fähigkeit, Gefühle, Gedanken und Handeln zu steuern. Beides ist nicht angeboren, sondern wächst langsam mit dem Gehirn, das bis ins junge Erwachsenenalter reift. Kinder lernen es vor allem durch ruhige Erwachsene, die Gefühle benennen, Herausforderungen dosieren und Anstrengung statt Talent loben. Klare Regeln, Rituale und kleine Erfolgserlebnisse, wie sie gutes Kampfsporttraining bietet, können dabei helfen.
Das Brettspiel ist fast vorbei, dein Kind liegt hinten, und plötzlich fliegen die Figuren vom Tisch. Oder das Bild wird nicht so, wie es sollte, und landet zerknüllt in der Ecke. Viele Eltern kennen diese Momente und fragen sich: Ist das noch normal? Und wie lernt mein Kind, mit Frust besser umzugehen?
In diesem Ratgeber erfährst du, was hinter Frustrationstoleranz und Selbstregulation steckt, was im Gehirn deines Kindes passiert, was in welchem Alter realistisch ist und welche Strategien im Alltag wirklich tragen. Wir schauen auch ehrlich darauf, was die Forschung über Kampfsport und Selbstregulation sagt und wann es sinnvoll ist, sich Unterstützung zu holen. Wenn bei deinem Kind vor allem Wut und Aggression im Vordergrund stehen, findest du dazu einen eigenen Artikel: Wut und Aggression bei Kindern: Was hilft wirklich?
Zwei Begriffe, die eng zusammengehören
Selbstregulation ist die Fähigkeit, die eigenen Gefühle, Gedanken und Handlungen so zu steuern, dass man ein Ziel erreichen oder sich an eine Situation anpassen kann. Ein Kind, das wütend ist und trotzdem nicht zuschlägt, das lieber weiterspielen würde und trotzdem zum Essen kommt, reguliert sich gerade selbst.
Frustrationstoleranz ist ein Ausschnitt davon. Sie beschreibt, wie gut ein Kind aushält, dass etwas nicht so läuft wie gewünscht: verlieren, warten, einen Fehler machen, ein Nein hören. Eine hohe Frustrationstoleranz heißt nicht, dass dein Kind keinen Frust spürt. Es heißt, dass der Frust da sein darf, ohne dass er das ganze Verhalten übernimmt.
Das Center on the Developing Child der Harvard University vergleicht diese Fähigkeiten mit der Flugsicherung an einem großen Flughafen: Viele Dinge passieren gleichzeitig, und jemand muss koordinieren, was wann landet. Die Forschung unterscheidet dabei drei Kernbereiche, die im Alltag eng zusammenarbeiten: das Arbeitsgedächtnis, die Impulskontrolle (Fachbegriff: inhibitorische Kontrolle) und die geistige Flexibilität.
Den ersten Impuls bremsen können: nicht sofort losschreien, nicht dazwischenrufen, nicht die Spielfigur wegschnappen.
Starke Gefühle wahrnehmen, benennen und wieder herunterfahren, zuerst mit Hilfe, später zunehmend allein.
Regeln und Ziele im Kopf behalten, auch wenn gerade etwas Spannendes passiert.
Umdenken, wenn Plan A nicht klappt, und einen neuen Weg ausprobieren, statt aufzugeben.
Eine der bekanntesten Langzeitstudien dazu stammt von Terrie Moffitt und Kollegen. Sie haben rund 1.000 Kinder aus Neuseeland von der Geburt bis zum Alter von 32 Jahren begleitet. Kinder mit besserer Selbstkontrolle hatten als Erwachsene im Durchschnitt eine bessere körperliche Gesundheit, seltener Suchtprobleme, stabilere Finanzen und seltener Konflikte mit dem Gesetz. Der Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn Intelligenz und soziale Herkunft berücksichtigt wurden. Wichtig: Das ist ein statistischer Zusammenhang über viele Kinder, keine Vorhersage für dein Kind.
Fast alle Eltern haben vom Marshmallow-Test gehört: Ein Kind bekommt eine Süßigkeit und darf eine zweite haben, wenn es eine Weile wartet. Die ursprünglichen Studien fanden starke Zusammenhänge zwischen Wartezeit und späteren Schulleistungen. Eine größere Wiederholungsstudie von Tyler Watts und Kollegen (2018) kam zu einem nüchterneren Ergebnis: Der Zusammenhang war nur etwa halb so groß wie ursprünglich berichtet und schrumpfte um rund zwei Drittel, sobald Familienhintergrund, frühe kognitive Fähigkeiten und das häusliche Umfeld berücksichtigt wurden. Mit Verhalten im Jugendalter hing die Wartezeit kaum zusammen.
Für dich heißt das: Ob dein Kind mit vier Jahren fünf Minuten vor einem Keks sitzen bleibt, entscheidet nicht über seine Zukunft. Selbstregulation ist wichtig, aber sie wächst eingebettet in Beziehung, Umfeld und Übung. Und genau da kannst du ansetzen.
Warum Frust bei Kindern so schnell überkocht
Wenn dein Kind beim Verlieren explodiert, ist das selten böser Wille. Es hat viel mit Gehirnreifung zu tun. Gefühle wie Ärger, Enttäuschung oder Angst sind schon bei kleinen Kindern schnell und heftig da. Die Bremse und der Planer im Kopf sitzen dagegen vor allem im präfrontalen Kortex, also im vorderen Teil des Gehirns direkt hinter der Stirn.
Genau dieser Bereich braucht am längsten. Eine Studie von Nitin Gogtay und Kollegen (PNAS, 2004) hat Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 21 Jahren über viele Jahre immer wieder per MRT untersucht. Ergebnis: Höher entwickelte Areale, die Informationen aus anderen Regionen zusammenführen, reifen erst nach den einfacheren sensorischen Bereichen. Der Harvard-Bericht zur Selbstregulation beschreibt, dass sich die beteiligten Hirnregionen von der frühen Kindheit bis in die späte Jugend entwickeln und bis ins junge Erwachsenenalter weiter verfeinert werden. Außerdem sind sie eng mit den Strukturen verschaltet, die auf Stress und Bedrohung reagieren.
Vereinfacht gesagt: Die Gefühle sind früh da, die Fähigkeit, sie zu steuern, wächst erst langsam mit. Was dabei speziell bei starker Wut im Kopf passiert, erklären wir ausführlich im Artikel Wut und Aggression bei Kindern. Unter Stress, bei Müdigkeit oder Hunger funktioniert die Bremse noch schlechter. Deshalb klappt an einem guten Tag, was an einem anstrengenden Tag völlig misslingt.
Solange die eigene Bremse noch nicht zuverlässig greift, leihen sich Kinder die Ruhe der Erwachsenen. Fachleute sprechen von Co-Regulation. Das Harvard Center nennt es Gerüstbau („scaffolding“): Erwachsene schaffen Routinen, geben Hinweise und teilen große Aufgaben in kleine Schritte. Mit der Zeit wird das Gerüst abgebaut, und das Kind übernimmt immer mehr selbst. Auch kindergesundheit-info.de, das Elternportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, betont: Mit Gefühlen umzugehen lernt ein Kind erst mit der Unterstützung seiner Eltern.
Ein Kind, das im Frust ausrastet, macht dir nicht das Leben schwer. Es hat gerade selbst ein schweres Leben und braucht deine Ruhe mehr als deine Worte.
Eine grobe Landkarte, keine Norm
Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Die folgende Übersicht soll dir helfen, Verhalten einzuordnen. Sie ist keine Checkliste, an der du dein Kind messen solltest.
| Alter | Was häufig vorkommt | Was du realistisch erwarten kannst |
|---|---|---|
| ca. 1,5 bis 3 Jahre | Heftige Wutanfälle bei Grenzen und Enttäuschungen, die sogenannte Trotz- oder Autonomiephase | Beruhigung fast nur mit Hilfe der Eltern; mit wachsender Sprache werden die Anfälle oft weniger heftig |
| 3 bis 5 Jahre | Verlieren ist schwer, Regeln werden zum eigenen Vorteil umgedeutet, Warten fällt schwer | Kurzes Warten mit Hilfen (Sanduhr, Lied), erste Worte für Gefühle, Trost annehmen |
| 6 bis 8 Jahre | Vergleich mit anderen, Ärger über Fehler, schnelles Aufgeben bei neuen Aufgaben | Regelspiele mit Gewinnen und Verlieren, nach dem Ärger wieder einsteigen, einfache Strategien wie Atmen oder Pause |
| 9 bis 12 Jahre | Hoher Anspruch an sich selbst, Frust bei Leistung in Schule und Sport, Rückzug statt Wutausbruch | Gefühle zunehmend selbst erkennen und beschreiben, eigene Lösungen vorschlagen, nach Niederlagen weitermachen |
Altersangaben zur Trotzphase nach kindergesundheit-info.de (BIÖG); übrige Zeilen sind eine allgemeine Orientierung. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo.
Laut kindergesundheit-info.de treten typische Trotzreaktionen gehäuft ab der Mitte des zweiten Lebensjahres auf. Mit Beginn des dritten Lebensjahres und mit zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten nimmt ihre Heftigkeit oft wieder ab. Auch Schulkinder haben noch Tage, an denen gar nichts geht. Entscheidend ist weniger der einzelne Ausbruch als die Richtung: Wird es über die Monate langsam besser? Erholt sich dein Kind nach dem Frust wieder?
Verlieren, Warten, Fehler und ein klares Nein
Frust hat viele Gesichter. Manche Kinder werden laut, andere ziehen sich zurück, wieder andere geben einfach auf, bevor sie scheitern könnten. Diese vier Situationen kennen fast alle Familien:
Das Kind kann nicht verlieren, schummelt, bricht das Spiel ab oder weint. Verlieren fühlt sich für viele Kinder wie eine Aussage über sich selbst an.
Bis zum Essen, bis zum Geburtstag, bis man an der Reihe ist. Warten verlangt Impulskontrolle, und die ist bei jüngeren Kindern noch knapp.
Der Turm fällt um, die Hausaufgabe klappt nicht, der Purzelbaum gelingt nicht. Manche Kinder geben dann schnell auf oder wollen es gar nicht erst versuchen.
Kein Tablet mehr, kein Eis, jetzt nicht. Grenzen sind nötig und lösen trotzdem Enttäuschung aus, die erst einmal raus muss.
„Kind kann nicht verlieren“ gehört zu den häufigsten Sorgen von Eltern. Hinter dem Ausbruch steckt oft mehr als Ehrgeiz: Das Kind verbindet Gewinnen mit Wert, Verlieren mit Scham. Hilfreich ist, beides zu entkoppeln. Du kannst sagen: „Du wolltest unbedingt gewinnen. Das ist echt ärgerlich, wenn es dann nicht klappt.“ Damit erkennst du das Gefühl an, ohne das Verhalten gutzuheißen. Wie Kinder aus Niederlagen Kraft ziehen können, liest du auch in unserem Beitrag Niederlagen verarbeiten: Mentale Stärke durch Niederlagen.
Nicht jeder Frust ist laut. Manche Kinder sagen bei der ersten Schwierigkeit „Ich kann das nicht“ und hören auf. Auch das ist eine Form, sich vor unangenehmen Gefühlen zu schützen. Hier helfen sehr kleine Zwischenziele und das Erleben, dass Dranbleiben sich lohnt.
Frust und Wut liegen nah beieinander. Wenn dein Kind regelmäßig haut, tritt oder Dinge kaputtmacht, lohnt sich ein genauerer Blick auf Auslöser und Reaktionen. Das haben wir ausführlich in Wut und Aggression bei Kindern beschrieben. Hier konzentrieren wir uns darauf, wie dein Kind lernt, Frust auszuhalten, bevor er überkocht.
So förderst du Selbstregulation im Familienalltag
Es gibt keinen Trick, der Frust verschwinden lässt. Aber es gibt Haltungen und Routinen, mit denen dein Kind Schritt für Schritt lernt, ihn auszuhalten. Du musst nicht alle zehn auf einmal umsetzen. Such dir zwei oder drei aus, die zu eurer Familie passen.
Co-Regulation beginnt bei dir. Atme einmal tief durch, geh auf Augenhöhe, sprich langsam und leise. Dein Nervensystem ist im Frustmoment der wichtigste Anker deines Kindes.
„Du bist richtig enttäuscht, weil der Turm umgefallen ist.“ Wer seinem Gefühl einen Namen geben kann, gewinnt etwas Abstand dazu. Mit der Zeit übernimmt dein Kind diese Worte selbst.
Mitten im Ausbruch erreichen Erklärungen dein Kind kaum. Bleib da, sorge für Sicherheit und sprich erst über Lösungen, wenn es wieder ansprechbar ist. Das empfiehlt auch kindergesundheit-info.de.
Aufgaben sollten knapp über dem liegen, was dein Kind schon kann. Zu leicht langweilt, zu schwer frustriert. Die Übersichtsarbeit von Diamond und Lee (Science, 2011) zeigt: Erfolgreiche Programme zur Förderung von Selbstregulation setzen auf viel Übung und steigern die Anforderung schrittweise.
In den Studien von Mueller und Dweck (1998) zeigten Kinder, die für ihre Intelligenz gelobt wurden, nach einem Misserfolg weniger Ausdauer und weniger Freude an der Aufgabe als Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt wurden. Sag also eher „Du bist drangeblieben“ als „Du bist so schlau“.
Spielt Regelspiele, bei denen der Zufall mitspielt. Vereinbart vorher, was nach dem Spiel passiert: Hände abklatschen, „Gut gespielt“ sagen, eine Revanche anbieten. Zeig auch selbst, wie man fair verliert.
Ein Wort, eine Handbewegung oder ein fester Ruheplatz, den dein Kind nutzen darf, wenn es merkt, dass es zu viel wird. Wichtig: Die Pause ist keine Strafe, sondern ein Werkzeug.
Langsames Ausatmen hilft vielen Kindern, wieder runterzukommen. Übe es in ruhigen Momenten, zum Beispiel als „Kerze auspusten“ oder „Ballon langsam leer lassen“. Dann ist es im Ernstfall schneller abrufbar. Mehr Ideen findest du in Achtsamkeit für Kinder.
Eine Sanduhr, ein Lied oder „noch drei Runden“ machen Wartezeit sichtbar. Beginne mit sehr kurzen Spannen und verlängere sie langsam. So wird Warten zu einer Fähigkeit, die man trainieren kann.
Feste Abläufe entlasten das Gehirn, weil weniger Überraschungen verarbeitet werden müssen. Das Harvard Center nennt Routinen, Hinweise und das Aufteilen großer Aufgaben in kleine Schritte als zentrale Hilfen. Warum Struktur Kindern Freiheit gibt, liest du in unserem Artikel über Routinen für Kinder.
Sprich nach einem schwierigen Moment kurz mit deinem Kind: Was ist passiert? Was hat geholfen? Was probieren wir beim nächsten Mal? Diese Nachbesprechung ist oft wertvoller als alles, was im Ausbruch selbst gesagt wird.
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Probetraining sichernGut gemeint, aber oft kontraproduktiv
Frustrationstoleranz wächst nicht, wenn Kinder keinen Frust erleben. Sie wächst, wenn sie Frust erleben und dabei nicht allein sind.
Struktur, Regeln und ein ehrlicher Blick auf die Studienlage
Im Kampfsporttraining für Kinder begegnet dein Kind vielen kleinen Frustmomenten, aber in einem geschützten Rahmen mit klaren Regeln und Trainern, die begleiten. Genau diese Mischung macht es zu einem guten Übungsfeld für Selbstregulation.
Bei der KopfKörperSchule beginnt das Training mit einem gemeinsamen Anfangsritual. Es hilft, vom Alltag in den Fokus zu wechseln und zur Ruhe zu kommen.
Wann man startet, wann man stoppt, wie man mit dem Partner umgeht. Regeln geben Halt und machen Grenzen vorhersehbar.
Mal gelingt die Übung dem anderen besser, mal einem selbst. Abwechseln, warten und fair bleiben werden ganz nebenbei geübt.
Ein Ziel, auf das man über Wochen hinarbeitet, mit Aufregung, Rückschlägen und dem Gefühl, es geschafft zu haben.
Dazu kommt die Atmung: Ruhige Atemphasen gehören in vielen Trainings dazu und lassen sich auf Situationen außerhalb der Matte übertragen. Und es gibt immer wieder Techniken, die nicht beim ersten, zweiten oder zehnten Versuch klappen. Dranzubleiben, obwohl es gerade nicht gelingt, ist gelebte Frustrationstoleranz. Wie Gürtelprüfungen Kindern beim Umgang mit Druck helfen, beschreiben wir in Prüfungsangst bei Kindern: Was Gürtelprüfungen fürs Leben lehren.
Eine viel zitierte Studie stammt von Kimberley Lakes und William Hoyt (2004). 207 Kinder vom Kindergarten bis zur 5. Klasse wurden klassenweise per Zufall entweder einem Taekwondo-Programm oder dem regulären Sportunterricht zugeteilt. Nach drei Monaten zeigte die Taekwondo-Gruppe stärkere Verbesserungen bei der kognitiven und emotionalen Selbstregulation, beim prosozialen Verhalten und beim Verhalten im Unterricht. Bei der kognitiven Selbstregulation profitierten Jungen stärker als Mädchen.
Auch die Übersichtsarbeit von Adele Diamond und Kathleen Lee (Science, 2011) zählt Kampfkunst zu den Aktivitäten, die exekutive Funktionen bei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren verbessern können, neben Programmen wie Yoga, Achtsamkeit oder bestimmten Lernspielen. Gemeinsam ist den wirksamen Ansätzen viel Übung und eine schrittweise steigende Anforderung. Die Autorinnen vermuten zudem, dass Programme besonders gut wirken, die auch Gefühle, soziales Miteinander und Bewegung einbeziehen.
Ehrlich gehört aber auch dazu: Nicht jede Studie findet überall Effekte. In einem großen Schulprojekt mit 721 Kindern im Alter von 7 bis 8 Jahren in fünf europäischen Ländern verbesserte ein Jahr Karate die Schulleistungen leicht und verringerte Verhaltensprobleme. Bei emotionalen Symptomen, Unaufmerksamkeit, Problemen mit Gleichaltrigen und prosozialem Verhalten zeigten sich dagegen keine messbaren Vorteile. Viele weitere Studien sind klein oder nicht zufällig aufgeteilt.
Unsere Einschätzung: Kampfsport ist kein Wundermittel und ersetzt keine Unterstützung zuhause. Ein gut angeleitetes Training mit klaren Regeln, respektvollem Umgang und dosierten Herausforderungen kann aber ein wertvoller Baustein sein. Woran du gutes Kindertraining erkennst, erklärt unser Elternguide Kampfsport für Kinder.
Hinschauen, ohne vorschnell zu bewerten
Frust und Wutausbrüche gehören zur Entwicklung. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ein Gespräch mit Fachleuten entlastet. Das ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein Zeichen von Fürsorge. Mögliche Anlässe sind:
Erste Ansprechpartner sind die Kinderärztin oder der Kinderarzt und Erziehungsberatungsstellen vor Ort. Die Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) bietet Eltern zudem anonyme und kostenfreie Beratung per Mail oder Chat. Fachleute können einschätzen, ob dein Kind einfach mehr Zeit braucht oder ob eine genauere Abklärung sinnvoll ist.
Wenn du unsicher bist, schreib deine Beobachtungen ein, zwei Wochen lang kurz auf: Wann kam der Frust, was war der Auslöser, was hat geholfen? Das hilft dir selbst beim Einordnen und macht ein Beratungsgespräch deutlich konkreter.
Training bei der KopfKörperSchule
In der KopfKörperSchule verbinden wir Elemente aus verschiedenen Kampfsportarten mit Koordination, Konzentration und Selbstbehauptung, für Kinder immer ohne Kopftreffer. Klare Regeln, ein gemeinsames Anfangsritual und Herausforderungen, die zum Alter passen, geben deinem Kind einen sicheren Rahmen, um auch mit Frust umgehen zu lernen. Du findest uns an vier Standorten:
Kinder, Teens 11 bis 14 und Erwachsene ab 15. Zum Standort
Kinder und Teens 11 bis 14. Zum Standort
Kinder von 3 bis 10 und Teens 11 bis 14. Zum Standort
Kinder von 3 bis 6 und 6 bis 10. Zum Standort
Was im Gehirn passiert, wenn dein Kind ausrastet, und was wirklich hilft.
Die sieben Säulen der Resilienz und wie du sie im Alltag stärkst.
Wie Kinder lernen, nach einer Niederlage wieder aufzustehen.
Die Fragen, die Eltern am häufigsten stellen.
Frustrationstoleranz ist die Fähigkeit, Enttäuschung, Warten oder Misserfolg auszuhalten, ohne dass das Verhalten kippt. Ein Kind mit guter Frustrationstoleranz spürt den Ärger genauso, kann aber nach einer Weile weitermachen, statt aufzugeben oder auszurasten.
Selbstregulation ist die Fähigkeit, Gefühle, Gedanken und Handlungen zu steuern, um ein Ziel zu erreichen oder sich an eine Situation anzupassen. Dazu gehören Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und geistige Flexibilität. Frustrationstoleranz ist ein Teil davon.
Das entwickelt sich schrittweise über die ganze Kindheit. Typische Trotzreaktionen treten laut kindergesundheit-info.de gehäuft ab der Mitte des zweiten Lebensjahres auf und werden mit wachsender Sprache oft weniger heftig. Die Hirnregionen für Selbstregulation reifen bis in die späte Jugend, deshalb brauchen auch Schulkinder noch Unterstützung.
Ja, vor allem im Kindergarten- und Grundschulalter ist das sehr verbreitet. Viele Kinder erleben Verlieren als Aussage über sich selbst. Hilfreich sind Regelspiele mit Zufallsanteil, klare Abmachungen für das Spielende und Eltern, die selbst fair verlieren und das Gefühl des Kindes anerkennen.
Bleib im Frustmoment selbst ruhig, benenne das Gefühl und sprich erst über Lösungen, wenn dein Kind sich beruhigt hat. Dosiere Aufgaben so, dass sie knapp über dem Können liegen, lobe Anstrengung statt Talent und übe Warten und Verlieren in kleinen Portionen. Feste Rituale und ein vereinbartes Pausen-Signal geben zusätzlich Halt.
Bei sehr kleinen Kindern ab und zu, damit Spielen Spaß macht. Auf Dauer solltest du aber nicht absichtlich verlieren, denn dann fehlt deinem Kind die Gelegenheit, echtes Verlieren mit deiner Unterstützung zu üben. Spiele mit hohem Zufallsanteil sind ein guter Mittelweg.
Teile Aufgaben in sehr kleine Schritte und feiere jeden geschafften Schritt. Lobe das Dranbleiben, nicht nur das Ergebnis. In den Studien von Mueller und Dweck blieben Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt wurden, nach einem Misserfolg ausdauernder als Kinder, die für ihre Intelligenz gelobt wurden.
Impulskontrolle heißt, den ersten Handlungsimpuls zu bremsen, etwa nicht sofort zuzuschlagen oder dazwischenzurufen. Emotionsregulation heißt, ein Gefühl wahrzunehmen und wieder herunterzufahren. Beide gehören zur Selbstregulation und arbeiten im Alltag eng zusammen.
Nein. Eine große Wiederholungsstudie von Watts und Kollegen (2018) fand nur einen etwa halb so großen Zusammenhang wie die Originalstudien, und der schrumpfte um rund zwei Drittel, sobald Familienhintergrund und frühe Fähigkeiten berücksichtigt wurden. Selbstregulation ist wichtig, aber ein einzelner Test im Kindergartenalter entscheidet nicht über die Zukunft.
Es gibt Hinweise darauf. In einer Studie von Lakes und Hoyt (2004) verbesserten sich Kinder nach drei Monaten Taekwondo stärker bei Selbstregulation und Verhalten im Unterricht als Kinder im regulären Sportunterricht. Andere Studien finden nicht in allen Bereichen Effekte. Kampfsport ist also kein Wundermittel, kann aber mit klaren Regeln und guter Anleitung ein wertvoller Baustein sein.
Die Hirnregionen, die Gefühle auslösen, sind früh sehr aktiv, während der präfrontale Kortex als Bremse noch lange reift. Müdigkeit, Hunger und Stress schwächen diese Bremse zusätzlich. Was für Erwachsene eine Kleinigkeit ist, kann sich für ein Kind deshalb überwältigend anfühlen.
Wenn die Ausbrüche über Monate sehr häufig oder heftig sind, jemand dabei in Gefahr gerät, dein Kind selbst stark belastet wirkt oder die Familie dauerhaft an ihre Grenzen kommt. Erste Ansprechpartner sind die Kinderarztpraxis, Erziehungsberatungsstellen vor Ort oder die anonyme, kostenfreie Online-Beratung der bke.
Kostenlose Probestunde an allen vier Standorten.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, psychologische oder pädagogische Beratung. Wenn du dir Sorgen um die Entwicklung deines Kindes machst, sprich mit eurer Kinderärztin, eurem Kinderarzt oder einer Erziehungsberatungsstelle.