⏱️ 7 Min. Lesezeit · Für Eltern von Kindergarten- & Schulkindern
Die Hausaufgaben ziehen sich über eineinhalb Stunden, obwohl sie in zwanzig Minuten erledigt wären. Dein Kind steht auf, sucht einen Radiergummi, erzählt dir etwas über einen Mitschüler und ist gedanklich längst woanders. Wenn du das kennst, bist du in guter Gesellschaft – und du kannst mehr tun, als du gerade denkst.
In diesem Artikel bekommst du die häufigsten Ursachen für Konzentrationsschwäche bei Kindern, konkrete Übungen für den Alltag und eine klare Orientierung, wann du genauer hinschauen solltest.
✅ Das Wichtigste in Kürze
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Bevor du an Übungen denkst, lohnt sich ein Blick auf die Erwartung. Die Konzentrationsspanne bei Kindern ist von Natur aus begrenzt. Das Zentrum für Schulpsychologie der Stadt Düsseldorf nennt als Orientierungswerte:
⏳ Konzentrationsspanne nach Alter
Wenn dein Achtjähriger nach 20 Minuten Hausaufgaben abschaltet, ist das kein Versagen. Das ist der Normalfall.
Darüber hinaus benennt dieselbe Quelle sechs typische Konzentrationsräuber:
💡 Wichtig
Bevor du an der Konzentration deines Kindes arbeitest, geh diese sechs Punkte einmal ehrlich durch. Sehr oft liegt die Ursache nicht beim Kind, sondern im Tagesablauf drumherum.
Konzentrationsförderung funktioniert am besten, wenn sie sich nicht nach Training anfühlt. Diese Übungen brauchen kein Material und maximal zehn Minuten:
Der Klassiker trainiert Arbeitsgedächtnis und Reihenfolge. Funktioniert im Auto, beim Warten, beim Zähneputzen.
Lass dein Kind von 30 rückwärts zählen, später in Zweierschritten. Klingt banal, fordert aber genau die Funktion, die beim Kopfrechnen gebraucht wird.
Augen zu, eine Minute lang alle Geräusche im Raum benennen. Schult die selektive Aufmerksamkeit – also die Fähigkeit, Wichtiges von Störendem zu trennen.
Du liest eine Geschichte vor und baust absichtlich Fehler ein. Dein Kind meldet sich, wenn etwas nicht stimmt.
Dein Kind steht auf einem Bein und beantwortet gleichzeitig Rechenaufgaben. Die Kombination aus Gleichgewicht und Denkaufgabe ist deutlich fordernder als beides einzeln – und macht Kindern erfahrungsgemäß am meisten Spaß.
Ihr steht euch gegenüber, dein Kind ahmt deine Bewegungen zeitversetzt nach. Fördert Beobachtung und Impulskontrolle in einem.
Die wirksamste Maßnahme gegen Konzentrationsprobleme ist keine Übung, sondern die Pause davor.
Orientiere dich beim Lernen an der Altersspanne von oben und plane die Pause ein, bevor die Konzentration kippt. Bei einem Siebenjährigen also nach etwa 15 Minuten, nicht nach 40. Fünf Minuten Pause reichen – aber es müssen echte Pausen sein. Ein Handy oder Tablet in der Pause verlängert die Erholungszeit, statt sie zu verkürzen, weil das Gehirn weiter Reize verarbeitet.
Gute Pausen sehen so aus: aufstehen, Fenster auf, ein Glas Wasser, kurz auf und ab gehen, zehn Hampelmänner. Bewegung und frische Luft schlagen jede Entspannungs-App.
Für Kinder, die abends schwer runterkommen, funktionieren zwei einfache Techniken: die Bauchatmung mit der Hand auf dem Bauch (vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus) und die Anspann-Entspann-Runde, bei der nacheinander Fäuste, Schultern und Beine für fünf Sekunden angespannt und dann losgelassen werden. Beides dauert drei Minuten und lässt sich in die Gute-Nacht-Routine einbauen.
💤 Nicht vergessen
Schlaf steht nicht ohne Grund an erster Stelle der Konzentrationsräuber. Grundschulkinder brauchen in der Regel zehn bis elf Stunden.
Das Gehirn deines Kindes arbeitet mit Glukose – aber nicht mit Zuckerspitzen. Der Unterschied entscheidet darüber, ob dein Kind um zehn Uhr in der Schule noch aufnahmefähig ist.
Ein Frühstück aus Weißmehltoast mit Nuss-Nougat-Creme sorgt für einen schnellen Anstieg und einen ebenso schnellen Abfall des Blutzuckers. Danach kommt genau die Müdigkeit, die als Konzentrationsschwäche interpretiert wird. Vollkornbrot, Haferflocken, Joghurt, Obst oder ein Ei halten den Pegel deutlich stabiler.
Drei Dinge, die im Alltag am meisten bringen:
Erwarte hier keine Wunder. Ernährung ist kein Schalter, sondern eine Grundlage – sie verhindert Einbrüche, statt Spitzen zu erzeugen.
Kinder konzentrieren sich besser, wenn sie nicht ständig entscheiden müssen, was als Nächstes kommt.
Immer zur gleichen Uhrzeit, immer am gleichen Platz. Nach ein bis zwei Wochen stellt sich das Gehirn darauf ein.
Auf dem Tisch liegt nur das, was gerade gebraucht wird. Alles andere kommt weg – inklusive deines Handys, wenn du daneben sitzt.
Schreib die drei Aufgaben des Nachmittags auf einen Zettel und lass dein Kind abhaken. Sichtbarer Fortschritt hält länger bei der Sache als jede Ermahnung.
Nach sechs Stunden Sitzen ist der direkte Übergang von der Schulbank an den Schreibtisch die schlechteste aller Reihenfolgen. Eine halbe Stunde draußen oder ein Training vorher macht den Unterschied.
Nicht als Strafe, sondern als Rahmen – und zwar bevor der Nachmittag beginnt, nicht mittendrin.
Von allen Stellschrauben ist Bewegung die, die am meisten bewirkt und am seltensten genutzt wird.
Die WHO empfiehlt für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag, deutsche Empfehlungen gehen sogar in Richtung 90 Minuten. Eine große Übersichtsarbeit in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin, die 133 systematische Reviews auswertet, kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche kognitiv überdurchschnittlich stark von körperlicher Aktivität profitieren – besonders deutlich bei der Gedächtnisleistung.
Besonders wirksam sind dabei Bewegungsformen, die Kopf und Körper gleichzeitig fordern. Reine Ausdauer bringt weniger als Bewegung mit Denkaufgabe: eine Abfolge merken, unter Zeitdruck abrufen, auf einen Partner reagieren, im richtigen Moment stoppen. Genau das trainiert Kampfsport in jeder Einheit – und das ist der Grund, warum Eltern Veränderungen häufig zuerst bei den Hausaufgaben bemerken und nicht am Sandsack.
Die meisten Konzentrationsprobleme sind normal und altersbedingt. Genauer hinschauen solltest du, wenn mehrere dieser Punkte über Monate zutreffen:
Erste Anlaufstelle ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt, danach die schulpsychologische Beratungsstelle deiner Stadt – die ist kostenlos und unabhängig. Wichtig: Eine Abklärung ist kein Urteil über dein Kind, sondern verschafft euch Klarheit und im besten Fall passende Unterstützung.
In der KopfKörperSchule (KKS) steckt der Ansatz schon im Namen: Kopf und Körper werden gleichzeitig trainiert. Jede Einheit verbindet Bewegung mit einer Denkaufgabe – Techniken merken, Abläufe abrufen, im richtigen Moment reagieren und stoppen. Genau diese Kombination ist es, die sich auf Hausaufgaben, Schule und Alltag überträgt.
Dazu kommt der feste Rahmen: gleiche Gruppe, gleiche Zeiten, klare Regeln – ein Umfeld, in dem Kinder Selbstvertrauen tanken und sich fokussieren lernen. Du findest die KKS in Bonn-Endenich und Sankt Augustin; in Köln-Rodenkirchen und Koblenz-Lützel eröffnen wir im September 2026.
Wie lange kann sich mein Kind am Stück konzentrieren?
Das hängt stark vom Alter ab: 5–7 Jahre bis zu 15 Minuten, 7–10 Jahre bis zu 20 Minuten, 10–12 Jahre bis zu 25 Minuten, 12–16 Jahre etwa 30 Minuten. Wenn dein Kind früher abschaltet, ist das meist völlig normal – plane die Pause ein, bevor die Konzentration kippt.
Hilft Sport wirklich bei der Konzentration?
Ja. Kinder profitieren kognitiv überdurchschnittlich von körperlicher Aktivität, besonders bei der Gedächtnisleistung. Am wirksamsten sind Bewegungsformen, die Kopf und Körper gleichzeitig fordern – etwa Kampfsport, wo man sich Abläufe merken und im richtigen Moment reagieren muss.
Wie oft sollte mein Kind Konzentrationsübungen machen?
Zwei bis drei kurze Übungen pro Woche reichen völlig. Tägliches, langes Training bewirkt eher das Gegenteil und verleidet dem Kind das Thema. Und rechne mit drei bis vier Wochen, bis neue Routinen wirklich tragen.
Ab wann sollte ich Konzentrationsprobleme abklären lassen?
Wenn mehrere Punkte über Monate zutreffen: Die Probleme treten überall auf (nicht nur bei den Hausaufgaben), dein Kind leidet sichtbar, die Lehrkraft spricht dich darauf an oder es kommen Auffälligkeiten wie starke Unruhe dazu. Erste Anlaufstelle sind Kinderarzt und die kostenlose schulpsychologische Beratung.
Wenn du die Konzentration bei Kindern fördern willst, arbeite zuerst an Schlaf, Bewegung und Bildschirmzeit. Richte den Nachmittag an der Konzentrationsspanne aus und baue zwei bis drei kleine Übungen pro Woche ein.
Neue Routinen brauchen drei bis vier Wochen, bis sie tragen. Und wer Konzentration bei Kindern fördern will, kommt an Bewegung nicht vorbei.
Kopf und Körper gleichzeitig trainieren – genau das, was Konzentration fördert.
Weitere Tipps rund um Kinder, Bewegung und mentale Stärke findest du auf kopfkoerperschule.de/blog
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Quellen & Literatur
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Wenn dein Kind über längere Zeit stark unter Konzentrationsproblemen leidet, wende dich an die Kinderärztin oder den Kinderarzt bzw. an die schulpsychologische Beratung deiner Stadt.