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Konzentration bei Kindern fördern: Übungen und Alltagstipps für Eltern zum Schulstart

KKS-Team
KKS-Team

⏱️ 7 Min. Lesezeit · Für Eltern von Kindergarten- & Schulkindern

Konzentration ist keine Charaktereigenschaft, sondern eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten kann man trainieren – Schritt für Schritt, im ganz normalen Alltag.

Die Hausaufgaben ziehen sich über eineinhalb Stunden, obwohl sie in zwanzig Minuten erledigt wären. Dein Kind steht auf, sucht einen Radiergummi, erzählt dir etwas über einen Mitschüler und ist gedanklich längst woanders. Wenn du das kennst, bist du in guter Gesellschaft – und du kannst mehr tun, als du gerade denkst.

In diesem Artikel bekommst du die häufigsten Ursachen für Konzentrationsschwäche bei Kindern, konkrete Übungen für den Alltag und eine klare Orientierung, wann du genauer hinschauen solltest.

✅ Das Wichtigste in Kürze

  • Die Konzentrationsspanne von Kindern ist begrenzt – ein Achtjähriger, der nach 20 Minuten abschaltet, ist völlig normal.
  • Sehr oft liegt die Ursache nicht beim Kind, sondern im Tagesablauf: Schlaf, Ernährung, Bewegung, Bildschirmzeit.
  • Zwei bis drei kleine Übungen pro Woche reichen – tägliches Training verbrennt das Thema eher.
  • Der stärkste Hebel ist Bewegung – besonders, wenn Kopf und Körper gleichzeitig gefordert werden.
  • Neue Routinen brauchen drei bis vier Wochen, bis sie tragen – hab Geduld.

Warum Kinder sich schwer konzentrieren: die häufigsten Ursachen

Bevor du an Übungen denkst, lohnt sich ein Blick auf die Erwartung. Die Konzentrationsspanne bei Kindern ist von Natur aus begrenzt. Das Zentrum für Schulpsychologie der Stadt Düsseldorf nennt als Orientierungswerte:

⏳ Konzentrationsspanne nach Alter

  • 5–7 Jahrebis zu 15 Minuten
  • 7–10 Jahrebis zu 20 Minuten
  • 10–12 Jahrebis zu 25 Minuten
  • 12–16 Jahreetwa 30 Minuten
  • Erwachseneetwa 90 Minuten

Wenn dein Achtjähriger nach 20 Minuten Hausaufgaben abschaltet, ist das kein Versagen. Das ist der Normalfall.

Darüber hinaus benennt dieselbe Quelle sechs typische Konzentrationsräuber:

  • Schlafmangel – steht nicht ohne Grund an erster Stelle.
  • Falsche Ernährung – Zuckerspitzen statt stabiler Energie.
  • Bewegungsmangel – zu wenig körperliche Aktivität.
  • Fehlende Zuwendung – zu wenig ungeteilte Aufmerksamkeit.
  • Überforderung & Reizüberflutung – zu viel auf einmal.
  • Erhöhter Medienkonsum – Faustregel: pro Lebensjahr eine Stunde Medienzeit pro Woche.

💡 Wichtig

Bevor du an der Konzentration deines Kindes arbeitest, geh diese sechs Punkte einmal ehrlich durch. Sehr oft liegt die Ursache nicht beim Kind, sondern im Tagesablauf drumherum.


Spiele & Übungen, die die Konzentration verbessern

Konzentrationsförderung funktioniert am besten, wenn sie sich nicht nach Training anfühlt. Diese Übungen brauchen kein Material und maximal zehn Minuten:

1. Ich packe meinen Koffer

Der Klassiker trainiert Arbeitsgedächtnis und Reihenfolge. Funktioniert im Auto, beim Warten, beim Zähneputzen.

2. Zahlen rückwärts

Lass dein Kind von 30 rückwärts zählen, später in Zweierschritten. Klingt banal, fordert aber genau die Funktion, die beim Kopfrechnen gebraucht wird.

3. Geräusche raten

Augen zu, eine Minute lang alle Geräusche im Raum benennen. Schult die selektive Aufmerksamkeit – also die Fähigkeit, Wichtiges von Störendem zu trennen.

4. Der Fehlerteufel

Du liest eine Geschichte vor und baust absichtlich Fehler ein. Dein Kind meldet sich, wenn etwas nicht stimmt.

5. Standwaage mit Aufgabe

Dein Kind steht auf einem Bein und beantwortet gleichzeitig Rechenaufgaben. Die Kombination aus Gleichgewicht und Denkaufgabe ist deutlich fordernder als beides einzeln – und macht Kindern erfahrungsgemäß am meisten Spaß.

6. Spiegelübung

Ihr steht euch gegenüber, dein Kind ahmt deine Bewegungen zeitversetzt nach. Fördert Beobachtung und Impulskontrolle in einem.

Zwei bis drei dieser Übungen pro Woche reichen völlig. Täglich zwanzig Minuten Konzentrationstraining sind ein sicherer Weg, das Thema für dein Kind zu verbrennen.

Die Rolle von Pausen & Entspannung

Die wirksamste Maßnahme gegen Konzentrationsprobleme ist keine Übung, sondern die Pause davor.

Orientiere dich beim Lernen an der Altersspanne von oben und plane die Pause ein, bevor die Konzentration kippt. Bei einem Siebenjährigen also nach etwa 15 Minuten, nicht nach 40. Fünf Minuten Pause reichen – aber es müssen echte Pausen sein. Ein Handy oder Tablet in der Pause verlängert die Erholungszeit, statt sie zu verkürzen, weil das Gehirn weiter Reize verarbeitet.

Gute Pausen sehen so aus: aufstehen, Fenster auf, ein Glas Wasser, kurz auf und ab gehen, zehn Hampelmänner. Bewegung und frische Luft schlagen jede Entspannungs-App.

Für Kinder, die abends schwer runterkommen, funktionieren zwei einfache Techniken: die Bauchatmung mit der Hand auf dem Bauch (vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus) und die Anspann-Entspann-Runde, bei der nacheinander Fäuste, Schultern und Beine für fünf Sekunden angespannt und dann losgelassen werden. Beides dauert drei Minuten und lässt sich in die Gute-Nacht-Routine einbauen.

💤 Nicht vergessen

Schlaf steht nicht ohne Grund an erster Stelle der Konzentrationsräuber. Grundschulkinder brauchen in der Regel zehn bis elf Stunden.


Wie eine ausgewogene Ernährung die Konzentration beeinflusst

Das Gehirn deines Kindes arbeitet mit Glukose – aber nicht mit Zuckerspitzen. Der Unterschied entscheidet darüber, ob dein Kind um zehn Uhr in der Schule noch aufnahmefähig ist.

Ein Frühstück aus Weißmehltoast mit Nuss-Nougat-Creme sorgt für einen schnellen Anstieg und einen ebenso schnellen Abfall des Blutzuckers. Danach kommt genau die Müdigkeit, die als Konzentrationsschwäche interpretiert wird. Vollkornbrot, Haferflocken, Joghurt, Obst oder ein Ei halten den Pegel deutlich stabiler.

Drei Dinge, die im Alltag am meisten bringen:

  • Trinken: Schon leichter Flüssigkeitsmangel senkt die Aufmerksamkeit. Eine Flasche Wasser auf dem Schreibtisch, sichtbar.
  • Regelmäßigkeit: Feste Essenszeiten verhindern Leistungslöcher besser als jedes einzelne Lebensmittel.
  • Ein zweites Frühstück: Die Zeit zwischen 7 und 12 Uhr ist für ein Grundschulkind lang. Ein Brot und etwas Obst in der Box sind Pflicht, keine Kür.

Erwarte hier keine Wunder. Ernährung ist kein Schalter, sondern eine Grundlage – sie verhindert Einbrüche, statt Spitzen zu erzeugen.


Ein strukturierter Tagesablauf, der die Konzentration fördert

Kinder konzentrieren sich besser, wenn sie nicht ständig entscheiden müssen, was als Nächstes kommt.

Feste Hausaufgabenzeit

Immer zur gleichen Uhrzeit, immer am gleichen Platz. Nach ein bis zwei Wochen stellt sich das Gehirn darauf ein.

Aufgeräumter Arbeitsplatz

Auf dem Tisch liegt nur das, was gerade gebraucht wird. Alles andere kommt weg – inklusive deines Handys, wenn du daneben sitzt.

Aufgaben sichtbar machen

Schreib die drei Aufgaben des Nachmittags auf einen Zettel und lass dein Kind abhaken. Sichtbarer Fortschritt hält länger bei der Sache als jede Ermahnung.

Erst Bewegung, dann Schreibtisch

Nach sechs Stunden Sitzen ist der direkte Übergang von der Schulbank an den Schreibtisch die schlechteste aller Reihenfolgen. Eine halbe Stunde draußen oder ein Training vorher macht den Unterschied.

Klare Bildschirmregeln

Nicht als Strafe, sondern als Rahmen – und zwar bevor der Nachmittag beginnt, nicht mittendrin.


Bewegung & Sport: der unterschätzte Hebel

Von allen Stellschrauben ist Bewegung die, die am meisten bewirkt und am seltensten genutzt wird.

Die WHO empfiehlt für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag, deutsche Empfehlungen gehen sogar in Richtung 90 Minuten. Eine große Übersichtsarbeit in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin, die 133 systematische Reviews auswertet, kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche kognitiv überdurchschnittlich stark von körperlicher Aktivität profitieren – besonders deutlich bei der Gedächtnisleistung.

Besonders wirksam sind dabei Bewegungsformen, die Kopf und Körper gleichzeitig fordern. Reine Ausdauer bringt weniger als Bewegung mit Denkaufgabe: eine Abfolge merken, unter Zeitdruck abrufen, auf einen Partner reagieren, im richtigen Moment stoppen. Genau das trainiert Kampfsport in jeder Einheit – und das ist der Grund, warum Eltern Veränderungen häufig zuerst bei den Hausaufgaben bemerken und nicht am Sandsack.

Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel umsetzt: Sorg dafür, dass dein Kind sich vor dem Lernen bewegt hat.

Wann du dir Sorgen machen solltest – und wo es Hilfe gibt

Die meisten Konzentrationsprobleme sind normal und altersbedingt. Genauer hinschauen solltest du, wenn mehrere dieser Punkte über Monate zutreffen:

  • ! Die Schwierigkeiten treten überall auf, nicht nur bei den Hausaufgaben – auch beim Spielen, beim Sport, bei Dingen, die deinem Kind Spaß machen.
  • ! Dein Kind leidet sichtbar darunter und verliert das Vertrauen in sich selbst.
  • ! Die Lehrkraft spricht dich unabhängig von dir darauf an.
  • ! Es kommen weitere Auffälligkeiten dazu, etwa starke Unruhe, häufige Konflikte oder ein deutlicher Leistungsabfall.

Erste Anlaufstelle ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt, danach die schulpsychologische Beratungsstelle deiner Stadt – die ist kostenlos und unabhängig. Wichtig: Eine Abklärung ist kein Urteil über dein Kind, sondern verschafft euch Klarheit und im besten Fall passende Unterstützung.


Konzentration fördern in der KopfKörperSchule

In der KopfKörperSchule (KKS) steckt der Ansatz schon im Namen: Kopf und Körper werden gleichzeitig trainiert. Jede Einheit verbindet Bewegung mit einer Denkaufgabe – Techniken merken, Abläufe abrufen, im richtigen Moment reagieren und stoppen. Genau diese Kombination ist es, die sich auf Hausaufgaben, Schule und Alltag überträgt.

Dazu kommt der feste Rahmen: gleiche Gruppe, gleiche Zeiten, klare Regeln – ein Umfeld, in dem Kinder Selbstvertrauen tanken und sich fokussieren lernen. Du findest die KKS in Bonn-Endenich und Sankt Augustin; in Köln-Rodenkirchen und Koblenz-Lützel eröffnen wir im September 2026.


Häufige Fragen zur Konzentration bei Kindern

Wie lange kann sich mein Kind am Stück konzentrieren?

Das hängt stark vom Alter ab: 5–7 Jahre bis zu 15 Minuten, 7–10 Jahre bis zu 20 Minuten, 10–12 Jahre bis zu 25 Minuten, 12–16 Jahre etwa 30 Minuten. Wenn dein Kind früher abschaltet, ist das meist völlig normal – plane die Pause ein, bevor die Konzentration kippt.

Hilft Sport wirklich bei der Konzentration?

Ja. Kinder profitieren kognitiv überdurchschnittlich von körperlicher Aktivität, besonders bei der Gedächtnisleistung. Am wirksamsten sind Bewegungsformen, die Kopf und Körper gleichzeitig fordern – etwa Kampfsport, wo man sich Abläufe merken und im richtigen Moment reagieren muss.

Wie oft sollte mein Kind Konzentrationsübungen machen?

Zwei bis drei kurze Übungen pro Woche reichen völlig. Tägliches, langes Training bewirkt eher das Gegenteil und verleidet dem Kind das Thema. Und rechne mit drei bis vier Wochen, bis neue Routinen wirklich tragen.

Ab wann sollte ich Konzentrationsprobleme abklären lassen?

Wenn mehrere Punkte über Monate zutreffen: Die Probleme treten überall auf (nicht nur bei den Hausaufgaben), dein Kind leidet sichtbar, die Lehrkraft spricht dich darauf an oder es kommen Auffälligkeiten wie starke Unruhe dazu. Erste Anlaufstelle sind Kinderarzt und die kostenlose schulpsychologische Beratung.


Fazit: Konzentration lässt sich fördern – mit den richtigen Routinen

Wenn du die Konzentration bei Kindern fördern willst, arbeite zuerst an Schlaf, Bewegung und Bildschirmzeit. Richte den Nachmittag an der Konzentrationsspanne aus und baue zwei bis drei kleine Übungen pro Woche ein.

  • Erwartung anpassen: Die Konzentrationsspanne ist altersbedingt begrenzt.
  • Zuerst die Grundlagen: Schlaf, Ernährung, Bewegung, Bildschirmzeit.
  • Kleine Übungen dosiert einsetzen – zwei bis drei pro Woche.
  • Pausen einplanen, bevor die Konzentration kippt – ohne Bildschirm.
  • Bewegung ist der stärkste Hebel – am besten mit Denkaufgabe kombiniert.

Neue Routinen brauchen drei bis vier Wochen, bis sie tragen. Und wer Konzentration bei Kindern fördern will, kommt an Bewegung nicht vorbei.

Kopf und Körper gleichzeitig trainieren – genau das, was Konzentration fördert.

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Weitere Tipps rund um Kinder, Bewegung und mentale Stärke findest du auf kopfkoerperschule.de/blog

Quellen & Literatur

  1. Zentrum für Schulpsychologie der Landeshauptstadt Düsseldorf: Konzentration von Kindern (Konzentrationsspanne nach Alter, Konzentrationsräuber, Medienzeit-Faustregel).
  2. Hutterer, C. (2025): Wie Bewegung die Kognition fördert. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin – Meta-Meta-Analyse über 133 systematische Reviews.
  3. BIÖG / WHO: Bewegungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche (60 bzw. 90 Minuten täglich).

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Wenn dein Kind über längere Zeit stark unter Konzentrationsproblemen leidet, wende dich an die Kinderärztin oder den Kinderarzt bzw. an die schulpsychologische Beratung deiner Stadt.